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Dienstag, 23. August 2016

Kissen im Mittelalter

Auf vielen, wirklich sehr vielen mittelalterlichen Abbildungen finden sich Kissen aller Art.
In Betten, auf Böden, vor allem aber auf Sitzmöbeln.
Wenn man genau hin schaut, findet man beinahe auf jeder sitzenden Heiligendarstellung ein Sitzkissen, mal gut zu erkennen, mal weniger gut. Oft bunt und scheinbar kostbar. Was nicht verwunderlich ist, denn es werden hochgestellte Personen dargestellt. Umgeben von standesmässen Luxusartikeln.

Mein Blick gilt einer Kissenform die ein wenig Sackartig wirkt und meist bei den sehr frühen Buchmalereien auftaucht. Einen schnellen Überblick, was ich meine findet man z.B. hier in Bildern aus der Otonik :
https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptwerke_der_ottonischen_Buchmalerei
(Quelle: Wikipedia)

Viele dieser Kissen waren vielleicht aus bunter importierter Seide. Seide scheint über einen langen Zeitraum, sehr angesagt gewesen zu sein. Erhaltene Stücke, wie zB in St Severin Köln, zeigen das sie geliebt, gepflegt und immer wieder anders verwendet wurde. Möglich ist aber auch das die Kissen aus gefärbter Wolle waren. Ob die Kissen aus bunt gewebten Stoffen, aus bunt bestickten, oder mit Borten verzierten Geweben waren, kann man auf den Bildern selten erkennen. Vermutlich war die Vielfalt weit größer, als es die Bilder erkennen lassen. So versuche ich eine Nachbildung dieser Kissen Form.

Eine Bindung die in meinen Augen nach Farbe schreit, ist der Rosettenköper der gerade an meinem Webstuhl eingerichtet ist. Ein kleines Original Stück diesen Gewebes, hat sich als Abdruck an einem Metallstück erhalten, die Farbe(n) des Textils sind also unbekannt. Ebenso ob das Muster von dem ein kleines Stück erhalten ist, in der Formvielfalt in der ich es verarbeitet habe, so verwendet wurde. Mein Kissen ist der Form nach, den Kissen auf Abbildungen nach empfunden, wohl wissend, das zwischen Kissen und Gewebe, Jahrhunderte liegen.

Die Umsetzung:
die Kette ist industriell gefärbt und entspricht einem dunklen Krapp Rot. Die Schussgarne sind außer dem hellrot und dunkelgrün, pflanzlich gefärbt. Verwendet wurde was teuer war : Doppelfärbungen Indigo/Reseda, Indigo, Cochenille, Reseda. Die industriell gefärbten Garne entsprechen Kermes Laus und Waid/Reseda. Alle Nähte sind von Hand gefertigt, gestopft ist das Kissen mit Wollresten.





Donnerstag, 11. August 2016

so hilfreich wie die gelben Engel

An meinem Webstuhl bemerke ich eben, das der linke Rollenzug kaputt ist. 
Mist. 
Ich dachte ich werde heute endlich mit dem Gewebe fertig !



*grübel* in den Baumarkt fahren, Rädchen suchen, Niete ausbohren, Rädchen mit Schraube und Mutter sichern ... ODER bei Künzl fragen.

Angerufen, nachgefragt, eine freundliche Stimme sagt, haben wir noch einmal da, sogar als Original Ersatzteil, geht noch heute raus, dafür sind wir doch da.

************

Das war gestern. Heute mittag ist das Päckchen schon da, gut verpackt, prima Teile, in 5 Minuten sorfälltig eingebaut, schon kann es weiter gehen. Super !


Wenn jeder der nebenbei mit Ersatzteilen handelt, für 23€ incl Porto so freundlich und hilfsbereit wäre, wäre die Welt des Groß und Einzelhandels ein schönerer Ort.
( für 2 neue Rollenzüge, also die Holzdinger, nicht nur ein neues Rädchen, kein suchen, kein basteln, austauschen fertig)


Weiter sagen, Künzl ist die erste Adresse am Platz ! Damit sie uns lange erhalten bleiben.
 http://www.kuenzl.de/

Sonntag, 7. August 2016

Chick in Darmstadt

Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt gibt es noch bis zum 16.10 2016 eine wunderbare Sonderausstellung in Sachen historischer Mode.
Gezeigt werden aufwendige Stücke des 17ten Jahrhunderts, hauptsächlich Oberteile, aber auch Schuhe, und Zubehör. Eine Vielzahl von zeitgenössischen Gemälden zeigen wie sie getragen wurden.
Zu den Stücken die sonst in der Dauerausstellung stehen, wurden einige Stücke aus aller Welt zusammen getragen, und wenn man genau hin schaut erkennt man Borten, in Brettchentechnik, Kamm gewebt, geklöppelt, gedrechselte Holzknöpfchen die kunstvoll umnäht sind, und die große Kunst der Handnäherei. Die Nähmaschine war noch nicht erfunden.

Wer es nicht dort hin schafft - der Ausstellungskatalog ist klein aber fein und für knapp 25€, absolut sein Geld wert. Für die Textil Freunde könnte er einen Besuch ersetzen, die Schuhfreunde werden nicht ganz auf ihre Kosten kommen, denn im Museum kann man trotz des spärlichen Lichts (wegen der Lichterosion) doch gut in die Schuhe hinein schauen, und die Nähte sowie punzierte Innensohlen gut erkennen. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es 9 Paar Kinder, Damen und Herren Schuhe.

Fotografieren ist nicht gestattet, weshalb es keine Bilder in diesem Post gibt.

 mehr Infos direkt vom Museum


Krappwurzel Rubia tinktoria

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen auf die Färbedroge Krapp zu verzichten.

Warum ?

Krapp steht im Verdacht Krebs erregend zu sein.
Die Zulassungen krappwurzelhaltiger Arzneimittel wurden dementsprechend am 15. März 1993 durch das Bundesgesundheitsamt widerrufen. Krappwurzel wird im Verhältnis 2:1 Färbedroge/Färbegut verwendet, also in größeren Mengen. 
Einige Darsteller meiden neuerlich Krapp und auch ich möchte mich und meine Familie, den Dämpfen die beim färben entstehen nicht mehr aussetzen.

Als Alternative stehen Cochenille oder chemische Farben zur Verfügung, letzteres gerne ebenfalls handgefärbt in schönen Krapp ähnlichen Rottönen.


http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/484926

Sonntag, 31. Juli 2016

Kleinkariertes

Versucht man eine historisierte textile Ausstattung nach einem Original Bild nach zu stellen, so stößt man schnell an die Grenzen des 1:1 Belegbaren.
Weil "das" Bild zu ungenau ist - je weiter man in die Geschichte zurück reist, um so dünner die Beleglage - und aus der Notwendigkeit heraus, da rutscht etwas, das hält nicht, da fehlt etwas.

Dazu kommt dann oft die Notwendigkeit persönliches zu verdecken und Autoschlüssel, Telefon, Medikamente unsichtbar transportieren zu können.

Gut wenn es für den Zeitraum einige textile Fragmente gibt, die uns etwas über Muster, Feinheit und Verarbeitung verraten.
Im Fundgut des Salzbergwerkes Hallstadt kommt das so genannte Pepita Muster vor. Es ist datiert auf die "Keltenzeit".

Im Kundenauftrag ist diese Bauchschärpe in meiner Werkstatt entstanden. Sie soll ein Oberteil unter einem Schwertgurt gürten und für Halt sorgen. Das Foto ist improvisiert, es ist natürlich für den Schwertgurt eines Herren gedacht.

Das Material ist reine Wolle, das blaue Garn ist Indigo gefärbt. 10Fäden je 1cm, 2/2er Köper, in Pepita Farbverflechtung. Gedrehten Fransen finden sich im Fundgut von Hallstadt.



Weil noch Kette übrig war, sind noch eine Umhängetasche und eine kleines Täschchen entstanden aus der Rubrik *P* wie praktisch:

17 x19cm Schultergurt 1,40m, der Gurt ist eine Gratiszugabe, da fehlerhaft und kann wieder entfernt werden.
Zum Ende der Kette hin, wollte ich ein wenig mit dem Muster spielen. Das Muster wurde so nicht gefunden - das Telefon übrigens auch nicht.

9 x 14cm ohne Überwurf und Fransen gemessen

Nachtrag, 09.08 2016

Rekonstruktion des Panzergrabes von Kleinklein: Der Kröllkogel HaD1. Krieger mit Pferd, ohne Harnisch.


Montag, 25. Juli 2016

Was sind das für komisch angezogene Leute oder offener Brief an die Burgenbesitzer

Eine knappe Woche "Urlaub" haben mein Mann und ich auf einer historisierten Anlage verbracht.
In historisierten Kostümen belebt, wie man so schön sagt.
Das bedeutet man füllt ein Freilichtmuseum mit Leben, lebt dort zumindest Tagsüber passend zur Zeit der Anlage und vermittelt so den Besuchern ein Bild vergangener Zeiten.
Man erklärt, zeigt und führt vor, schließt die Anlage morgens auf und abends zu.
Lässt Schulklassen an sich vorbei fluten, wird ungefragt fotografiert und auch schon mal angepöbelt oder ausgelacht. Das Gros der Besucher ist aber meist nett, freundlich und interessiert.
Den ganzen Tag erklären was man da macht, ist Arbeit. Man muss sich konzentrieren, man sollte den Besuchern keinen Unsinn erzählen.
Am Ende einer Erklärung gibt man sich oft einen Ruck und bittet um eine Spende für die Anlage.



Das Equipment, also all der Kleinkram wie Kochgeschirr, Keramik, Trinkgläser, Handwerkszeug, Kleidung bis hin zu Kochrezepten, ist auf privater Basis recherchiert, finanziert und mitgebracht. Der Besucher sieht nur die Spitze des Eisberges.

Was ist der Eisberg ?
Am Anfang steht die Recherche. Meist über das Internet. Von dort aus zu Publikationen, die man mit etwas Glück in erschwinglichen Büchern nachlesen kann, meist aber in Büchern die man sich mühsam über die Fernleihe besorgt, weil so ein Buch mitunter 300€ und mehr kosten würde, ohne im Vorfeld zu wissen, ob dort wirklich die Information, die man gerade sucht, steht.

Museumsbesuche, viele und nicht nur vor der Haustüre, runden die Sache ab.
Soll das Bild stimmen, will jedes Krüglein, Löffel, Schuh, Tasche, Schmuckstück, die gesamte Kleidung, Stück für Stück im archäologischen Fundgut eine Vorlage haben. Hat man diese Vorlage gefunden, geht die Suche los : Welcher Handwerker kann eine Replik anfertigen, was kann man selbst machen, wie lange muss man dafür sparen ?
Manches bekommt man gut, weil es Handwerker gibt, die in der Herstellung historischen Repliken eine Nische gefunden haben, die ihnen hilft, ihren kleinen Handwerksbetrieb am Leben zu halten. Dann sind die Stücke gut finanzierbar.
Manches ist aber auch eine teure Einzelanfertigung.
Die Kleidung ist im Idealfall handgenäht, eine Arbeit die sich viele Besucher gar nicht vorstellen können.
Hat man seine Ausrüstung beisammen, kann es los gehen zur Veranstaltung.
 
Man packt also all seinen Kram ins Auto (wer Tetris beherrscht ist klar im Vorteil) und fährt los.
Dummerweise ist so eine Veranstaltung selten vor der Hautüre. Zu den Kosten der Ausrüstung und Recherche kommt noch, Benzingeld.
Eigentlich sollte man auch eine extra Versicherung haben, von der man allerdings nie wirklich weiß, in wie weit diese Dinge abgesichert sind, und wer eigentlich haftet, wenn etwas gestohlen oder beschädigt wird.
Wer Waffen mit sich führt benötigt spezielle Transportboxen, Schwarzpulverscheine und mehr.

Viele Veranstalter und "Burgenbesitzer" wissen um all das. Man wird geschätzt, man bekommt ein Danke. Oft gibt es etwas zu Essen und einen Kaffee oder ein paar Freigetränke. Ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung gibt es selten, kämpfen doch viele Einrichtungen um ihre Existenz.

Leider immer öfter wird jedoch eine Pauschale von den Darstellern verlangt, mit der Begründung die Waschräume und Brennholz zu stellen. Diese Pauschale ist bisher klein, meist 6€ pro Tag und pro Nase.
In der Regel bekommt man dafür Brennholz, das brennbarer Abfall ist, und nicht etwa gut abgelagertes, zum Kochen geeignetes Feuerholz zur Verfügung gestellt.

Und hier setzt mein Ärger an !
Ich soll Geld zahlen, um mit meiner Arbeit und den Dingen, die ich mitbringe, ein Museum attraktiver zu machen ?
Zahlen, obwohl ohne die Anwesenheit der Darsteller die Häuser nur von außen besichtigt werden könnten und verschlossen blieben ? Zahlen, obwohl ohne Darsteller nur halb so viele Spenden in die Box gingen ? Sieht so Wertschätzung aus ?

Ich für meinen Teil überlege ernsthaft, solche Anlagen künftig zu meiden und damit eine klare Grenze zu ziehen.



Nachtrag 27.07 12,25 Uhr: Ich bin wegen der Qualität und Menge des Holzes mehrfach angesprochen worden.

Im Interesse der Träger sollte in den Häusern kein Holz mit Farb- oder
anderen Rückständen verbrannt werden, ebenso kein Holz, das noch grün
oder nass ist und übermäßig viel Rauch beim Abbrennen bildet.
Zur Produktion von privaten Werkstücken, Keramik, Schmiedewaren etc.
wird Holz über den normalen Verbrauch hinaus benötigt, diese Mengen
waren in meinem Post nicht gemeint.
Wird von Darstellen eine Handelsware vertrieben, Andenken für
Besucher oder Bedarf für Darstellerkollegen, kann natürlich eine Standmiete
erhoben werden. Mein Post bezieht sich rein auf die unkommerzielle
Arbeit von Darstellern.


Mittwoch, 13. Juli 2016

Besonderer Rautenköper

Im Kundenauftrag webe ich gerade einen besonderen Rautenköper.
Alles was ich dazu sagen kann - es ist ein Fund aus der Nordostschweiz, dort hat sich an einem Stück Metall ein kleines Stück Textil, als Abdruck erhalten, so gut, das man es rekonstruieren kann.
Das besondere an den Rauten ist, das jeweils an den "Ecken" gleich 2 Fäden in der Kette eingezogen wurden.  Die Rauten wechseln sich mit Zickzacklinien ab, das Gewebe ist ein Köper mit 4 Schäften.
Datiert ist das Stück auf etwa das 6. -7. Jahrhundert.

So weit die Fakten.
Gewünscht ist der Stoff, in dunklem Indigo Blau mit Lila Cochenille Färbung.
Mein Gewebe ist mit 10 Fäden/1cm dicht, das Material ist reine Wolle.

Jetzt lasse ich Bilder sprechen:




Die Münze im Bild ist ein Stück 1 Euro Cent

Mittwoch, 6. Juli 2016

Der Burgund

Mittelalter satt gibt es im Burgund.
Man hat den Eindruck es gibt kein Dorf, ohne mittelalterlichen Kern. Mittelalterliche Bautischler werden sicherlich ihre helle Freude haben, denn es sind wirklich viele Bauten mit Schnitzwerk und Figuren erhalten. Enge Gassen und verwinkelte Häuser erwecken den Eindruck, als sei die Zeit stehen geblieben. Besucht man jedoch die großen Klöster, z.B. Fontenay und Cluny spürt man das viel Zeit verstrichen ist. Fontenay wurde zeitweise zur Papierfabrik, Cluny mit der größten Kathedrale des Mittelalters, wurde geschliffen. Beides sollte man sich anschauen, wenn man dort ist.

Ebenfalls sehr beeindruckend ist das Hotel Dieu in Beaunne, ein mittelalterliches Hospital, dessen Größe und Ausstattung beeindruckt, hat es mehr, viel mehr Platz und Intimsphäre als jedes moderne Krankenhaus.




Die Museen für Archäologie und das für schöne Künste in Dijon, waren trotz freien Eintritt an einem Sonntag schlecht besucht. Was für den einzelnen Besucher fein ist, kann man sich alle Stücke in  Ruhe ansehen. Das Knipsen ohne Blitz ist gestattet.
Im Archäologischen Museum kommen auch die Freunde vormittelalterlicher Geschichte auf ihre Kosten, Vitrinen mit Merowingischer Kunst, und Berge von Bronzezeitlichen Funden gibt es dort zu sehen. Der Link zum Museum gibt das leider gar nicht her, und ich habe (ganz erschlagen) kaum Bilder dort gemacht.

Das Weinmuseum in Beaune hat mir gut gefallen, dort läuft ein sehr schöner Film über die Herstellung eines großen Holzfasses.
Fährt man von Ort zu Ort, fährt man durch schöne Landschaft, die sich mit Wein, Getreide, Senffelder aber auch Gemüsefeldern und Wald abwechselt, durchzogen von kleinen Flüssen und Bächen. Wilde Blumen überall. Es ist hügelig, oft kann man weit schauen, die Gegend wirkt beschaulich und friedlich, sogar während der EM.


Den tollsten Ausblick hatten wir in Bibracte, oben auf dem Berg hinter den Ausgrabungen. Bibracte ist ein hauptsächlich keltischer Ausgrabungsort, ein Zentrum für Archäologie, mit eigener Akademie und großen Unterkünften. Das Museum ist in den Jahren seit ich zum ersten Mal dort war, an Funden gewachsen. Es hat mir erneut gut gefallen. Toll auch der Audio Guide in deutscher Sprache den man mir aufsetzte. Gut gemachte Informationen und ein wirklich schön gemachtes Museum !

Ein Muss ist natürlich Guedelon, die große Baustelle. Worauf man etwas vorbereitet sein sollte, sind die Besuchermassen. Nach der Anfahrt über kleine Straßen, durch kleine Dörfer, fragt man sich, wo all die Busse her kommen, die all die Schulklassen ausspucken. Die Baustelle ist besser besucht, als all die feinen Museen. Sieht man jedoch wie gebannt die meisten Kindern, den Akteuren und ihren Erklärungen zuhören, versteht man warum.
Trotz all dem Trubel, hat man kleine Momente indem man die Räume auf sich wirken lassen kann. Beeindruckt haben mich, neben Größe, Werkzeugen und Kunstfertigkeiten, die Malereien der Wände mit Erdpigmenten. Der Tag verging schnell und einen ganzen Tag sollte man ein planen.


Fern von all dem Trubel, auf dem Weg zu einem ganz anderen Ziel, haben wir Semur-en-Auxois entdeckt, wie ein Ort aus einem Bilderbuch ragt es in die Landschaft.


Die Kirche hat viele schöne farbige Glasfenster, einige lassen sich auf Grund der Motive ganz klar als jung erkennen, andere scheinen alt zu sein.

Mein Favorit ist ganz klar dieses:







































Nach 9 Museen, vielen Kirchen, Orten und Eindrücken, der guten Luft noch im Gedächtnis, der getankten Ruhe, wunderbares Essen, und beeindruckenden Menschen, die man nebenher kennen lernt, bin ich noch nicht wirklich Zu Hause angekommen. Dennoch heute geht es zurück an den Webstuhl.

Abtei Fontenay http://de.france.fr/de/sehenswert/die-abtei-fontenay
Abtei Cluny http://www.burgund-tourismus.com/hauptattraktionen/abteikirche-von-cluny
Hotel Dieu http://www.hospices-de-beaune.com/L-Hotel-Dieu
Weinmuseum Beaune http://www.musees-bourgogne.org
Museum der schönen Künste Dijon http://mba.dijon.fr/
Museum für Archäologie Dijon http://www.dijon.fr/les-musees!0-35/musee-archeologique!1-38/
Burg Baustelle http://www.guedelon.fr/de/guedelon-besuchen_116.html
Bibracte http://www.bibracte.fr/
Notre Dame Semur-es-Auxois (Bilderstrecke) https://structurae.de/bauwerke/kirche-notre-dame-semur-en-auxois/fotos

Dienstag, 21. Juni 2016

Die Mindener Zeiteninseln 2016

Mein Projekt Kölner Schatzbaukasten war nun zum ersten Mal aus dem Haus. Die Mindener Zeiteninseln sind zu Ende, das Auto ist ausgeladen, müde aber hochzufrieden, freue ich mich immer noch, wie gut das Projekt bei Besuchern ankommt.
Das Wetter war  durchwachsen, Freitag beim Aufbau, aber auch Samstag regnete es immer wieder tüchtig, am Sonntag war es schön, dennoch war die Veranstaltung an beiden Tagen gut besucht. Viele kluge und spannende Fragen wurden gestellt, nicht alle konnte ich beantworten.Viele Besucher waren an beiden Tagen da, und haben nach geschaut, wie die Gewerke bei den Kollegen und mir gewachsen sind.  
Herzlichen Dank dafür.

Ganz besonders möchte ich die junge Dame grüßen ( Alter etwa 10 - 12 ? entschuldige bitte, wenn ich falsch liege, Brille ... ) die so viel kluge Fragen stellte und nicht müde wurde, zu zu schauen, und die auch das Knochen schnitzen, erlernen möchte. Danke das Du da warst, für außerordentlich faszinierte Besucher wie Dich, lohnt sich der weiteste Weg. Ich hoffe wir treffen uns wieder einmal und Du schreibst mir wirklich.

Das ist das Ergebnis am Ende der Veranstaltung, alle benötigten 8 Plättchen für den untersten Ring, haben nun Kreuzblümchen. Bei dem ein oder anderem muss das Muster noch ein wenig tiefer geschnitzt werden. Als nächstes kommt das winzige Muster zwischen den Blumen dran, dann können diese Plättchen aufgenagelt werden.


Bedanken möchte ich mich bei den Bewohnern des St-Michaelshaus, weil wir den wunderbaren Garten nutzen durften, bei unserem Organisator R.Kasties und der Mindener Marketing, die uns gut umsorgt haben.
 
Mehr Informationen zum Kästchen gibt es hier : 

Donnerstag, 9. Juni 2016

viele kleine Decken


Eine Kleinserie von kleinen Decken ist frisch vom Webstuhl.
Die Kette ist ein einfädiges wollweißes Biogarn 100% Wolle. Die Schußgarne variieren. Die Farben sind teils Pflanzengefärbt (Indigo, und Reseda mit Eisen) die anderen Farben sind industriell oder mit Lebensmittelfarben gefärbt. In allen rosa Streifen ist Alpaka mit drin, aber alle Garne sind 100% Naturfasern (halt reine Wolle, oder Alpaka)



Die Moderne zu erst, hier habe ich grünes Garn als Gras für ein appliziertes Schäfchen verwoben


verkauft
Himmelsblau, das Schussgarn ist weiches Dochtgarn, Größe knapp 1m x 1m :

 Pastell Streifen, Größe etwa 1m x1m
Die nächsten Beiden sind etwas Besonderes, sie sind in erweiterter Leinwand gewebt, und an die London Funde angelehnt. Sie sind etwa 1,40 x 1m groß.
Hier in Olivgrün, zusammen mit Naturweiß, Hellblau und Rot:
















Hellblau mit Naturweiß, Dunkelblau und Rosa


Dienstag, 31. Mai 2016

Das kleine Turmreliquiar aus Darmstadt Teil 1

Das kleine Turmreliquiar aus Darmstadt Inventar Nr Kg 54:228 ist die Vorlage für mein nächstes Projekt. Es ist ein weiteres Stück, das der großen Kölner Beinschnitzerwerkstatt zugeschrieben wird.

Dieses Stück ist Teil der Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, das viele weitere wunderschöne Bein und Elfenbeinarbeiten beherbergt, und nicht nur deshalb einen ausgedehnten Besuch wert ist. Das Kästchen ist mit Plättchen aus Knochen bedeckt, es lässt sich öffnen und ist innen Hohl. Ursprünglich war das Holz komplett bedeckt. Der runde Teil der Dose ist mit Kreidegrund und Blattgold bedeckt, vor dem die Figuren und Säulen stehen. Unten drunter ist ein Blech mit Braunfirnis Muster angebracht, die Bronzefüsse und der Deckelknauf waren vergoldet. Innen ist die Dose mit roter Farbe ausgemalt. Die Plättchen waren teils mit Gold und farbigen Wachspasten verziert.


mit freundlicher Erlaubnis des Hessischen Landesmuseum Darmstadt
Die Grundlage ist eine Dose aus Holz. Was im 12ten Jahrhundert ganz lässig und in vermutlich großer Stückzahl gedrechselt wurde, ist heute eine schwer zu beschaffende Einzelanfertigung. Meine Dose ist auch diesmal eine Arbeit von Tischlermeister U. Griwahn der die Dose ganz nahe nach der Vorlage gearbeitet hat. Danke schön Ulf, ohne Deine Vorarbeit hätte ich dieses Projekt nicht angehen können, herzlichen Dank das Du die Bilder der Originale mit mir nach Holzunterbauten durch gesehen hast.


die Tasse dient dem Größenvergleich
Da im Darmstädter Museum das Fotografieren ohne Blitz gestattet ist, hatte ich Gelegenheit, das Kästchen aus fast allen Lagen zu fotografieren. Da wo die eigene Kamera nicht hin gekommen ist, gibt es ausreichend Literatur, bei fehlenden Details wie z.B. dem Kopf von Matthäus gibt es Vergleichsstücke in anderen Museen, so das diesmal keine Frage offen bleibt.

Begonnen habe ich mit den kleinen Relief Plättchen am oberen Dosenrand. Sie erscheinen mir von den drei Mustern am Schwierigsten. Da ich dieses Projekt am 17.-19. Jun, bei den Mindener Zeitinseln vorstellen und zeigen möchte, wollte ich diese Arbeit, Daheim im Stillen vorbereiten. 
Die Schnitzereien sind filigran, aber das Passgenaue aneinander fügen stellt sich als die größere Herausforderung heraus. Zum Glück hilft mir mein Mann beim Gerungen feilen und Passgenauen zusammenfügen. Diese Reihe Plättchen wird später mit farbigem Wachs und Gold verziert, sie sind der farbigste Teil des Kästchens.





Fortsetzung folgt


Literatur:


Kölner Schatzbaukasten
Die Grosse Kölner Beinschnitzwerkstatt des 12. Jahrhundert
Verlag: Verlag Philipp von Zabern 1997
ISBN-13: 9783805324205
ISBN-10: 3805324200

Die mittelalterlichen Elfenbeinarbeiten des Hessischen Landesmuseums Darmstadt
Theo Jülich  
Herausgeber: Hessische Landesmuseum Darmstadt
ISBN: 978-3-7954-2023-9
 



Dienstag, 24. Mai 2016

Die Schlacht im Eisenwald

Reenactment - für Nichthobbyisten erklärt, bedeutet das, man stellt ein Ereignis, das tatsächlich passiert ist, nach. In diesem Fall, ist es die Schlacht der Sachsen gegen die Slawen, die im Jahr 798 tatsächlich statt gefunden hat.
 http://www.projekt-eisenwald.de/
Zu diesem Projekt wurde ich vor Jahren als beratende Kleidermotte, mit in den Hintergrund gerufen und nach viel Arbeit in einem kleinen Kernteam, wollte doch einmal, mit dabei sein und mir das an schauen.



















Als Jemand der in der vielschichtigen Sache "Mittelalter nachstellen", ganz andere Dinge macht, war ich sehr beeindruckt. Obwohl ich weiß, das die Teilnehmer der Schlacht, mit viel Spaß und Freude beim Kampf dabei sind, war ich wirklich traurig, als die ersten Kämpfer zu Boden gingen.

Die Ausrüstung, Bewaffnung, Schutzausrüstung unter der Kleidung und die historisierte Kleidung selbst, wird von jedem Teilnehmer selbst gestellt und zu großen Teilen auch selbst hergestellt. Dies ist ein sehr aufwendiges und Geld verschlingendes Hobby. Die Teilnehmer selbst, recherchieren ihre Figur und die mögliche Ausstattung, da hinter steckt meist eine umfangreiche Bibliothek und enorm viele Stunden suchen, finden oder auch nicht und sich austauschen mit anderen Darstellern.
Es gibt also keinen zentralen Kostümfundus, wie manche Zuschauer sicherlich denken mögen.
Dazu kommt das Training von Kampftechniken, das Training der Bogeschützen findet beispielsweise ganzjährig mindestens einmal wöchentlich statt.
Auch die Pferde gehören Privat Personen und werden für solche Veranstaltungen speziell trainiert.
Die Teilnehmer reisen auf eigene Kosten und Aufwand an, und so ergibt sich organisatorisch eine kleine Zeltstadt. Viele dieser Lagernden zeigen wie man einen Teil der Ausrüstung herstellt, wie auch damals gibt es viele Spezialisierungen, denn keiner kann alles, aber jeder etwas, man hilft sich durch Tausch und Austausch. Auch hier steckt viel Arbeit, Recherche und das erlernen alter Techniken, wie etwa der Keramik Grubenbrand von Sönke Schnoor, der unmittelbar in meiner Nähe im Lager statt fand.
der Pfeil markiert eins von mehren Gefäßen die gerade im Feuer stehen



Mein Part war es, anhand von Mustermappen und Mustertüchern über historische Textilien zu reden, und so Besuchern, wie Teilnehmern, die Vielfalt und Raffinessen, der mittelalterlichen Textilkunst ein Stückchen näher zu bringen.
Gleichzeitig konnte ich meinen Rekonstruktions Versuch "Slawin um 800" testen.
So wirklich zufrieden bin ich nicht, das Schaltuch wäre eine schöne Sache bei Schmuddelwetter und Kälte, ich stelle mir jedoch vor, das es eine andere Kopfbedeckung als Trachtbestandteil gegeben haben muss. Der Schal also nur eine wetterabhängige Ergänzung zur Tracht sein kann. Da aber Funde und Bildbelege zur Tracht der Frauen fehlen, gibt es beim jetzigen Stand der Erkenntnisse keine Lösung.


Besonders stolz hat mich gemacht, das wirklich viele meiner Arbeiten vor Ort und auch in der Schlacht waren. Es ist schön zu sehen wie sie sich ins Bild fügen und es abrunden.

Die Hobbyfotografin Kati hat einige meiner Webereien so wunderschön eingefangen, das ich sie hier gerne zeigen mag. Wer mag kann ihre Seite bei Facebook besuchen, dort hat sie zur Veranstaltung eine wunderschöne Fotostrecke hoch geladen.
https://www.facebook.com/Katigraphy/
Fotos zur Veranstaltung auf FB







Mein Shop ist wieder eingeräumt, die Stücke die ich vor der Veranstaltung pausiert habe, damit nichts doppelt verkauft wird, sind wieder online.

Samstag, 14. Mai 2016

Rötel

Als Kind hörte ich das die Menschen früher mit Erde gemalt haben.
Malen mit Erde ? Fand ich ganz abstrakt.
Ich kannte die schwarze Gartenerde, mit der man überhaupt nicht malen kann, die aber prima schmutzig macht, beim spielen.
Hmmm - lassen wir das so stehen, es wäre zu klären welches Früher und was gemalt wurde.

Noch heute bekommt man im Künstler Bedarf, Rötel zu kaufen. Entweder als schlanke Stäbchen oder aber gleich als Stifte mit Ummantelung.
Leonardo da Vinci soll den Rötel für seine Zeichnungen, aus dem Saarland bezogen haben. Die Römer sollen den Rötel aus dieser Region ebenfalls geschätzt haben und auch meine Bröckchen stammen von dort.

Rötel kommt dort in der Lehmschicht des Bodens vor. Reibt man ein feuchtes Stück Rötel, das sich wie ein Stein anfühlt und auch so aussieht in den Händen, so werden sie Rostrot.
Gemahlener Rötel lässt sich mit Wasser vermischt, vermalen oder versprühen.
Auch kann man das Pigment z.B. zu Eitempera, Ölfarbe, oder auch in Fresken verarbeiten.


Die gepressten Stäbchen die man heute kaufen kann, sehen vollkommen anders aus, als die Geschnittenen. Darum habe ich für meinen Schautisch ein kleines Stäbchen gemacht.
Dazu habe ich einen Brocken eingespannt und mit einer modernen Säge und einer Feile grob in benutzbare Form gebracht. Den anfallen Staub habe ich aufgefangen, um ihn später als Pigment zum malen nutzen zu können.

Ganz ohne rot braune Finger geht das nicht und auch das Werkzeug musste danach gereinigt werden.
Das Stäbchen und der Brocken von dem es stammt

Brocken, gesägtes Stäbchen und handelsübliche Rötelkreide


Ich möchte anmerken, das ich für die Verwendung von Rötel zum Vor und Anzeichnen im Bereich hochmittelalterlicher Beinarbeiten, keinerlei Nachweis habe. Rötel lässt sich leicht von den Werkstücken abreiben, bleibt also nicht erhalten, auch sind mir keine Schriftbelege bekannt.

Literatur gibt es diesmal im Netz:
Eric Glansdorp, Römerzeitliche Rötelstift- und Rötelpulverproduktion im nördlichen Saarland
Herzlichen Dank an Agi von Sichel und Pflug die den Artikel gefunden und mir gezeigt hat.

Ein schöner Blogpost der WH 1350 von Agi die auch bei der dieser Gruppe Mitglied ist :
Malerei und historische Farben

Montag, 9. Mai 2016

Nähgarn spinnen

Derzeit ist Schafschur, und ich habe das große Glück gehabt, schöne braune Skuddenwolle von der Nutztierarche Stocksee zu bekommen.

Ein Skudden Bock der Nutztierarche Stocksee, die Skudden Weibchen sind ungehörnt.

Skudden sind eine recht ursprüngliche Rasse, ihr Haar lässt sich ganz gut in Unter und Oberhaar trennen. Dazu hält man eine Haarzottel locker am unteren Ende fest, und zieht am Zipfel, die längeren Haare heraus.
Skudden Locke
Oberhaar, Unterhaar
Dieses Haar habe ich mit dem Spinnrad zu S Draht versponnen und diesen wiederum zu Z Zwirn verarbeitet. Bekommen habe ich ein extrem reißfestes Garn, das es beinahe mit der Reißfestigkeit von heutigem Sternchenzwirn aufnehmen kann. Allerdings ist das Wollgarn leicht elastisch.
Dem Garn habe ich das natürliche Wollfett belassen, das heißt es ist ungewaschen, so wie es vom Schaf kommt.
Die Axt samt Stiel wiegt 920g und müsste dringend neu eingekeilt werden
Den Arbeitsaufwand vom zupfen an, schätze ich auf etwa 5 Stunden, für die für mich ungewohnte Arbeit.
Etwa einen halben Einkaufskorb voller Wolllocken habe ich benötigt, um mein Röllchen Garn zu füllen.